#103 Kündigung wegen AfD-Kandidatur rechtens?
Shownotes
Eine diakonische Einrichtung hat einer Hospizmitarbeiterin wegen ihrer Kandidatur für die AfD gekündigt. Das hat für Aufsehen gesorgt. Der Sache nehmen wir uns in dieser Folge an. Der Fall hat einige arbeitsrechtliche Besonderheiten.
Wann wird Privates überhaupt relevant im Arbeitsverhältnis? Welchen Imageschaden muss ein Arbeitgeber hinnehmen? Und warum ist die Sache wegen des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts etwas anders gelagert?
Im Arbeitsrecht wird viel im Vergleich abgeräumt und gar nicht gerichtlich entschieden. Britta erklärt, warum die Arbeitnehmerin in diesem Fall vermutlich ein großes Interesse an einem Urteil hat – selbst wenn es der Arbeitgeberin Recht gibt.
Maraike spannt den Bogen noch etwas weiter und verweist auf das, was gerade auch auf Social Media passiert.
Die beiden lassen keinen Zweifel: Sie würden so reagieren, wie viele andere Arbeitgeber auch, die sich klar zu ihren Werten positionieren – Arbeitsrecht hin oder her.
Wir nehmen die Sache auf Wiedervorlage, sobald etwas entschieden ist.
Was ihr hier hört, bringt euch weiter, stellt aber keine Rechtsberatung dar. Es kann insbesondere keine individuelle rechtliche Beratung ersetzen, welche die Besonderheiten des Einzelfalles berücksichtigt. Insofern verstehen sich alle Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.
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Transkript anzeigen
00:00:04: Moin aus Ansburg, hier ist die Kanzlei am Mikrofon mit Dr.
00:00:07: Britta Bradshaw und Maryke Lenhoff beide Rechtsanwältinnen und Notarinnen!
00:00:11: Ich bin Jan Paulik, schön dass ihr dabei seid.
00:00:21: Ja heute soll uns ein aktueller Arbeitsrechtsfall aus Niedersachsen beschäftigen.
00:00:25: Das haben wir auch nicht so schnell gedacht ne?
00:00:28: Aber der hat so einige Spezialitäten die wir heute vielleicht einmal so anreißen.
00:00:33: Ich versuche kurz zusammenzufassen für unsere Hörerinnen und Hörern, was hier überhaupt Phase ist!
00:00:38: Es geht um die Kündigung einer angestellten Diakonie.
00:00:42: Korrekt?
00:00:43: Das ist schon mal eine Spezialität... Und die Künstigung wurde ausgesprochen weil diese Angestellte für die AfD kandidiert und der Träger eben dieser Diakonie gesagt hat, dass diese Kandidatur nicht vereinbar ist mit den Werten der Kirche unter Diakonie.
00:00:59: Und verweist da auf Menschenwürde Nächstenliebe-Respektteil habe Solidarität sieht das nicht vereinbaht.
00:01:05: Hat deswegen fristlos außerordentlich gekündigt?
00:01:09: Das fehlt noch so eine kleine wichtige Information was möglicherweise auch damit zusammenhängt, dass sie Mitglied der Mitarbeitervertretung Deswegen kannst
00:01:18: du nicht ordentlich kündigen.
00:01:20: Genau, da kann man ein paar Spezialitäten.
00:01:22: So und das wirft natürlich die grundsätzliche Frage auf wie ist das mit so Parteimitgliedschaft oder hier dann auch noch Kandidatur was wahrscheinlich auch nochmal eine andere Qualität ist?
00:01:33: erst mal ja eigentlich privat aber inwiefern strahlt es doch ins Arbeitsrecht rein?
00:01:40: Also ich glaube grundsätzlich kann man das erstmal von dieser konkreten Partei-Kandidatur einmal wegnehmen weil es gibt ja ganz viele Fälle wo Verhaltensweisen im Privaten in den Arbeitsbereich reinstrahlen.
00:01:52: Das ist erst mal eine grundsätzliche Frage, kann man deswegen überhaupt kündigen?
00:01:57: Da kommt es natürlich wie immer drauf an!
00:02:01: Letztendlich hätte es auch eine fristgemäße Kündigung sein können, aber eben nicht wenn man in einer Mitarbeitervertretung ist oder im Betriebsrat.
00:02:06: Dann hast du die Kündigungsschutz für diese Zeit noch einen nachlaufenden Schutz.
00:02:09: Das heißt, du kannst nur fristlos kündigen und ne Fristlosekündigung ist nur dann möglich, wenn dem Arbeitgeber das Festhalten an den Vertrag unzumutbar ist.
00:02:19: Und letztendlich ist etwas was stattfinden muss, ne umfangreiche Interessenabwägung.
00:02:23: Und wir haben auf der einen Seite ... Ja.
00:02:28: Also jeder kann sich wählen lassen und aktiv Mandate übernehmen, ist auch geschützt ein passives Wahlrecht.
00:02:35: Und auf der anderen Seite haben wir aber vielleicht, um es mal ganz grob zu fassen, Werte des Arbeitgebers die dieser aufstellt.
00:02:42: Das steht im Spannungsverhältnis sozusagen miteinander.
00:02:45: Aber bevor ich jetzt die ganze Zeit monolog halte ... Was wären so deine?
00:02:50: Idee, Marike.
00:02:51: Also was jetzt unabhängig von der rechtlichen Struktur sozusagen um das aufzudröseln aber so vom ...
00:02:56: Du meinst als Bauchgefühl?
00:02:57: Ja
00:02:58: genau.
00:02:58: Das
00:02:59: war's Wort!
00:03:01: Also finde ich tatsächlich wenn wir das jetzt mal lösen also wenn ich versuche das objektiv zu betrachten es heißt losgelöst von meiner persönlichen Meinung und dem was ich persönlich für richtig halten würde ist dass wahrscheinlich knifflig Ja, also ich würde nicht sagen das ist ein Selbstgänger.
00:03:20: Weil ja wenn wir es runterbrechen würden in dem Moment wo jemand wie gesagt von der AfD jetzt lösen.
00:03:27: Wenn jemand in irgendeiner Partei für einen Amt kandidiert kann das meines Erachtens kein Grund sein grundsätzlich ihn zu entlassen?
00:03:38: Also, wenn wir das auf dieses Level runterbrechen, dann bin ich mir eigentlich relativ sicher, dass es nicht sein kann.
00:03:44: Jetzt haben wir irgendwie Sonderteben.
00:03:46: Wir haben eine Partei ... Das ist ja mal schwierig sein könnte, deren Werte vielleicht auch nicht mit den Werten des Arbeitgebers übereinstimmen, weil Diakonie war's?
00:03:58: Mhm,
00:03:58: genau.
00:03:59: Ja also, das ist jetzt auch nicht... Jetzt muss man aufpassen was man sagt.
00:04:04: aber, wenn man's kein Gebraucht waren Händler!
00:04:06: Genau, da ist auch ein Unterschied.
00:04:08: Das ist schon vielleicht etwas anderes und wo man selbst gewisse Werte vertreten muss um diesen Job vernünftig machen zu können.
00:04:16: Das fand ich interessant in der Vorbereitung auf die Folge.
00:04:19: Hat mich wirklich auch mal ein bisschen vorbereitet.
00:04:22: Es ist kein Gebrauchtwaren-Händler und es liegt daran, dass die Kirchen ... Weimar Reichsverfassung geht das drauf zurück?
00:04:28: Das hab ich gesehen.
00:04:29: Dass sie Kirchen Selbstbestimmungsrecht haben.
00:04:34: Wir könnten das vielleicht als Arbeitgeber auch, aber wir können jetzt nicht.
00:04:37: Wenn wir würden jemanden deswegen kündigen, dann würde es uns schon schwer fallen unsere Werte zu beweisen.
00:04:43: Das ist natürlich anders wenn du quasi so eine Art Satzung hast und Wertekaner und sagen kannst okay alle die hier angefangen haben wissen das auch dass wir diese Werte vertreten.
00:04:53: Und bei den Kirchen ist es extremer aufgrund dieses Selbstbestimmungsrecht dieser Werte.
00:04:58: was ich aber ganz interessant fand Ein Fall, der hat vor ein paar Jahren für Aufruhr gesorgt in dem arbeitsrechtlichen Kontext.
00:05:05: Da hat eine katholische Kirche einen Mitarbeiter gekündigt, zwar ein Arzt glaube ich und er hat sich scheiden lassen, hat dann nochmal neu geheiratet.
00:05:15: Und das ist sozusagen... Ich will jetzt auch nichts Falsches sagen, ich kenne mich wirklich zu wenig mit der katholischen Kirche aus.
00:05:20: aber in diesem konkreten Fall war eben der Wertekanon selbst wenn man sich gesetzlich scheidenlassen darf Ist man kirchlich noch verheiratet?
00:05:29: Man kann Kirchlichkeit zweites Mal heiraten.
00:05:32: Der ist gekündigt worden, der Recht schrattet an die Verlohren.
00:05:35: Weil das zu sehr in dieses Rechtsophamilie eingedrungen ist und auch dieses Rechts auf Selbstbestimmung und wieder heirat.
00:05:43: Aber was wichtig war und ganz viele Gerichte ... Es gibt eine Vielzahl von Fällen mit kirchlichen Mitarbeitern.
00:05:48: Das fängt ja an, kannst du
00:05:49: z.B.,
00:05:49: wenn du in der katholischen kirchliche Einrichtung beschäftigst Bist aber Muslimin und möchtest im katholischen Kindergarten eine Kopftuch tragen.
00:05:57: Es gibt unzählige Fälle, es geht immer darum... So sagen es die Gerichte, dass der Arbeitgeber eben nachweisen muss.
00:06:03: Dass diese Werte bekannt sind und eine Interessenabwägung dann wirklich durchgeführt wurde.
00:06:08: Kannst nicht einfach sagen ja, er ist keine Ahnung, kandidiert für die AfD schmeiß ich raus.
00:06:13: Du musst schon eine wirkliche Abwägungen
00:06:14: vornehmen.".
00:06:15: Und ich habe so ein bisschen aufgeschnappt den Gedanken auch noch mal in welcher Tätigkeit man dort beschäftigt?
00:06:21: Ist das so ein Faktor sein kann?
00:06:22: Das war mir ... als Laie jetzt eingängig, dass man sagt, wenn man so eine repräsentativere Funktion hat oder eine wo man direkt Bezug hat.
00:06:29: Das war ja nach dem Spiel auf Speed, wo die tätig ist.
00:06:32: Man sagt, ist das überhaupt eine Person, die unmittelbar Kontakt hat mit den Patienten, die dort sind?
00:06:39: Dann vielleicht eher, oder?
00:06:40: Sagt man das so?
00:06:41: Kann man das sagen?
00:06:42: Da hast du gleich ne andere Stellung, als wenn du ...
00:06:45: Die
00:06:46: Buchhaltung im Hinterzimmer hast.
00:06:48: Zumal man sich auch beim passiven Wahlrecht möchte, Das heißt, wenn man dann Kundenkontakt hat.
00:06:55: Egal welcher Art besteht natürlich auch immer die Gefahr, dass du vielleicht auch wirbst für dein Amt wobei das hier nicht im Raum stand.
00:07:04: also hier war wirklich so diese Loyalitätsschlicht des Arbeitnehmers gegen das Selbstübungsrecht der Kirche und die Werte.
00:07:11: Also ich bin gespannt wie es ausgeht.
00:07:14: Nach dem Video ist jetzt bisher gesagt, dass ihr wahrscheinlich negativ arbeitsrechtlich
00:07:17: weiß Ich nicht weiß ich nicht weil Es muss ja abgewogen werden.
00:07:22: Und wenn man sagt, unsere Kirche steht für alle diese Werte die aus unserer Sicht aufgrund der vorliegenden Berichte über die AfD nicht teilt und die Kirche hat dieses Selbstbestimmungsrecht und die Mitarbeiter haben Loyalitätspflichten könnte ich mir auch vorstellen dass das durchgeht.
00:07:42: Wie ist denn es mit anderen Einrichtungen?
00:07:44: Also ja kirch okay aber was ist mit Krankenhäusern pflegeheim Überall dort, wo ja Menschen in Not möglicherweise auch zusammenkommen.
00:07:55: Ich finde überall dort schwierig, ehrlich gesagt.
00:07:58: Das ist schwierig?
00:07:58: Aber du hast passive Wahlrecht auf der einen Seite und die Berufsfreiheit.
00:08:03: Und es müsstest du sagen, jeder, der sich aufstellen lässt ... weißt du?
00:08:08: Mhm!
00:08:09: Also ich glaube jetzt ohne das politisch werten zu wollen, aber vielleicht wenn du keine Ahnung für die SPD aufstellen lasst, ist es noch mal was anderes als wenn du dich für die AfD aufstellen letzt.
00:08:19: Ja.
00:08:20: Einfach von der Bewertung und Polizisierung irgendwie.
00:08:25: Aber letztendlich
00:08:29: ... Wir können das ruhig bewerten, als würde es definitiv so beurteilen, dass das einfach was anderes ist.
00:08:35: Weil die Werte, die vertreten werden, dann andere sind.
00:08:41: Wie wäre das, wenn man jetzt als Arbeitgeber diese Gefahr so abstrakt sieht?
00:08:45: Und sagt, ich schreib das direkt in die Arbeitsverträge rein!
00:08:50: Mir kommt hier keiner und sagt, hey wir schreiben rein als Beispiel.
00:08:54: Und der Arbeitnehmer darf keiner gesichert rechtsextremen Partei angehören.
00:08:59: Was ist ja ein objektiver Maßstab?
00:09:03: Wäre das möglich so eine Klausel?
00:09:05: Also es ist natürlich wenn wir ins Grundgesetz schauen, dass sich niemand wegen seiner politischen Meinung diskriminiert werden.
00:09:11: jetzt aber tatsächlich die Frage unterscheiden sich in der Diskussion immer die Geister bis wohin ist denn die Meinung an der Stelle geschützt?
00:09:23: Und du musst natürlich sehen, im Arbeitsvertrag kannst du alles reinschreiben.
00:09:26: Aber es im Zweifel dann ja nicht wirksam ... Ich sehe auch immer noch Arbeitsverträge, wo drin steht der Mitarbeiter versichert, dass er nicht schwerbehindert ist und keinen Antrag gestellt hat auf Schwerbehinderten-Anerkennung.
00:09:36: Das ist natürlich unruhsam!
00:09:37: Du darfst doch lügen, kannst auch reinschreien, versicher ich.
00:09:40: Das heißt, du könntest hier ja auch lügen Aber du hast auch immer diesen Privatbereich irgendwie.
00:09:47: Weißt du, du kannst dir auch ... Nehmen wir mal an, es muss ja gar keine Parteizügerigkeit sein.
00:09:53: Wenn du am Wochenende auf, weiß ich nicht, irgendwelchen völkischen Rechtsextremen Festen unterwegs bist, ist das ja eigentlich erst mal deine Freizeit.
00:10:04: Weisst du?
00:10:05: Im Grunde macht es dann vielleicht keinen Unterschied, ob du sind, auch so Fälle wo du am Wochendestraftaten begehst die aber nicht im arbeitsrechtlichen Zusammenhang stehen.
00:10:18: Ist echt schwierig.
00:10:19: und einen Punkt, den habe ich noch nicht so ganz durchdruckend tatsächlich.
00:10:22: Wir haben ja noch zwei weitere Instanzen sozusagen in Europa.
00:10:26: Wir hatten einmal den OGH also dieser Fall mit dem katholischen Arzt der ist bis zum OGH gegangen wo einfach geguckt wird das Arbeitsrechtlich Das europäische Arbeitsrecht.
00:10:40: ist das wirklich eingehalten worden und richtig umgesetzt worden vom Bundesarbeitsgericht.
00:10:43: Und dann hast du auf der anderen Seite ja den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wenn man es jetzt im europäischen Kontext sieht... Wenn wir mal an das Arbeitsgericht würde sagen Kündigung ist gerechtfertigt.
00:10:54: So könnte es vielleicht auch sein dass es vorgelegt wird zum Europäischen Rechtsgerichtshof durch den Mitarbeiter oder vielleicht auch durch, ähm ... zum hier europäischen Rechtsverminsenrecht.
00:11:08: Und da ist eben das Menschenrecht nicht diese Selbstgeschirmungsrechte der Kirche, sondern das passive Wahlrecht mit der Berufsfreiheit.
00:11:19: So und wenn man sich jetzt vielleicht auch die politischen Bewegungen in Europa anguckt, keine Ahnung wie es dann ausgeht?
00:11:24: Das ist echt ein spannender Fall!
00:11:25: Ich hoffe nicht dass sie sich vergleichen beim Arbeitsgericht weiß nicht wo die sind.
00:11:29: Ja,
00:11:29: das hat ja Strahlwirkung also man will's ja
00:11:31: wissen eigentlich.
00:11:32: ne
00:11:33: Das wäre eigentlich das Ungünstigte.
00:11:34: Aber sie könnten sich so vergleichen, indem Sie sagen, ich hätte kein Lust mehr da zu arbeiten ...
00:11:40: Ich mach jetzt Karriere?
00:11:40: Genau!
00:11:42: Und werd Politikerin und dann sollen Sie mit einer Abfindung zahlen.
00:11:44: Wäre ja möglich...
00:11:46: Ja, also so wäre das dann prozessual.
00:11:48: Sie würde die Kündigung quasi akzeptieren.
00:11:51: Aber sie entkriegt entsprechend die Zahlung.
00:11:53: Wie ist es überhaupt prozessuall?
00:11:55: Also jetzt ist die Künstigung erst mal in der Welt ... Sie hat ja diese Kündigungsschutzklage mutmaßlich schon eingereicht innerhalb von drei Wochen und war oft übergesprochen.
00:12:06: Aber sie ist erst mal gekündigt, oder?
00:12:09: Auch wenn das jetzt Jahre dauert.
00:12:11: Nur diese Diakonie ist theoretisch im Problem, dass, wenn in Jahren ein Urteil gefällt wird ... Dass sie dann noch irgendwie wieder rückwirkend wie angestellt ist und Sie ganz viel bezahlen müssen.
00:12:22: Ja, genau.
00:12:24: Also du hast ja immer Leistung, Gegenleistung, Arbeit und Lohn.
00:12:29: Und wenn du gekündigd wurdest... Dann hast du trotzdem eigentlich Beschäftigungsanspruch.
00:12:34: Du sagst, hier bin ich, möchte wiederkommen und sagen, wir haben dich gekündigt?
00:12:38: Bei einer frisslosen Kündigung ist es anders, da geht man davon aus, dass der Arbeitgeber den nicht mehr haben will.
00:12:44: Du musst deine Arbeitskraft nicht aktiv anbieten, sondern der Arbeit Geber ist sofort im sogenannten Annahmeverzugslohn.
00:12:50: Wenn jetzt ein Jahr später eine Entscheidung gefällt wird ... Das Arbeitsgrilltieferfahren ist schnell, aber zehn Monate können schon vergehen.
00:12:58: Wenn eine Entscheidung gefällt wird dann hat das eigentlich zur Folge dass der Arbeitgeber alles nachzahlen muss angehältern.
00:13:04: Das ist auch der Grund warum ich ganz oft Arbeitgebern empfehle lieber Sack jetzt zu machen weil wenn wir das verlieren dann ist ein halbes Jahr nochmal Gehaltszahlung und Top und den Mitarbeiter hatte frei.
00:13:14: man darf aber natürlich nicht vergessen Dass was zum Arbeitsamt gezahlt wurde, wird sozusagen übergeleitet.
00:13:21: Der Arbeitgeber zahlt dann Teilhandsarbeitsamt und die Rechtsprechung ist mittlerweile auch ein bisschen schärfer, was die Arbeitsbeschaffungspflicht anbelangt.
00:13:29: Das heißt der Mitarbeiter muss sich anrechnen lassen, was er verdient hat oder was er unterlassen hat zu verdienen.
00:13:38: Er muss im Grunde sagen ich hab pro Woche drei Bewerbungen geschrieben es aber leider alles nichts geworden.
00:13:43: Aber wenn er das alles brav macht ... Kein Job kriegt, dann krieg ich die Gehaltszahlung.
00:13:48: Da liegt schon mal ein riesiges Risiko auf dem Arbeitgeber in diesen Fällen?
00:13:52: Ja.
00:13:53: Spannend!
00:13:53: Wäre das noch mal interessant, so ein bisschen wegzugehen von diesem Fall und nochmal zum Angestellten zu gehen, die eine viel höhere Außenwirkung haben ... Ich hab gedacht an Fußballspieler, weil sie sind ja auch nichts anderes als Angestelte von Firmen.
00:14:08: Wenn die jetzt irgendwie Äußerungen tätigen und solche Fälle gab's immer wieder, dass die sich ... fremdenfeindlich, rassistisch oder problematisch kreuzerdammt.
00:14:20: Und das natürlich gar nicht mit den Werten des Vereins einhergeht!
00:14:24: Wie ist es da dann?
00:14:24: Also anderer Maßstab als jetzt vielleicht bei diesem ersten Fall?
00:14:29: Weiß ich nicht.
00:14:30: ehrlich gesagt
00:14:31: Ich kann's auch nicht beantworten... Vermutlich eine Reihe von Entscheidungen bekommen werden aus allen möglichen Bereichen, weil ja auch mittlerweile auf Social Media, ich weiß nicht ob ihr das mitbekommen habt.
00:14:42: Es gibt ja einige Seiten die es sich so ein Stück weit zur Aufgabe gemacht haben tatsächlich Menschen die sich wirklich schwer rechtsextrem äußern im Internet Dinge kommentieren oder teilweise auch möglicherweise strafrechtliche Drogen abgeben, die ein bisschen in den Fokus zu stellen auf Social Media.
00:15:01: und wenn man sich das anschaut dann hat man sehr häufig darunter.
00:15:04: Dann wird herausgefunden wo arbeiten die Personen?
00:15:07: Dann wird der Arbeitgeber informiert.
00:15:08: Teilweise kommentiert dann sogar der Arbeit Geber und sagt ja danke für die Info wir haben Maßnahmen ergriffen.
00:15:16: Ziemlich, ich sehe das jeden Tag im Moment.
00:15:19: Es sind meistens auch wirklich krasse Äußerungen.
00:15:21: Ich erinnere zum Beispiel... Vor dem Wochenende war es ein Arzt von der Uniklinik in Rostock, der Palliativmedizin macht und irgendwie mit der Organspende betraut ist, um zu entscheiden ob Organe gespendet werden oder so.
00:15:36: Und der hat wirklich ... Also schwerst!
00:15:38: schwerst rechtsextreme Dinge geäußert.
00:15:42: Da äußern sich dann diese Institutionen und sagen, sie ergreifen Maßnahmen.
00:15:45: die Frage ist was sind denn dann diese Maßnahmen?
00:15:47: Und wenn tatsächlich daraus Königungen folgen sollten... dann werden wir da sicherlich einige Entscheidungen zu sehen.
00:15:55: Und teilweise sind es zum Beispiel Bundesliga-Vereine, wo die Leute Mitglied sind und das auf ihrer Instagram-Seite steht, die sich äußern und keine Ahnung ... aus dem Verein ausschließen oder so.
00:16:08: Also ich glaub, da könnte einiges an Entscheidungen kommen.
00:16:12: Es ist halt
00:16:13: so, dass du ... Grundsätzlich kannst ja privat machen was du willst.
00:16:17: Wenn du aber ... dich privat so äußerst, dass es negativ auf deinen Arbeitgeber ... Also quasi betriebsschädigend.
00:16:24: Auf deinem Geschäftsschädigen.
00:16:25: So, das richtige Wort!
00:16:27: Geschäfts- schädigten auf deine Arbeitgebe auswirken kann?
00:16:30: Dann kannst du als Arbeitgeba eingreifen.
00:16:32: Das heißt, du kannst eigentlich jemanden nicht kündigen, weil er eine bestimmte politische Gesinnung hat.
00:16:37: Aber du kannst ihn dafür kündigern, dass er diese Gesinnungen in der Öffentlichkeit äußert und damit deinen Ruf beschädigt.
00:16:43: So wird ein Stutt draus.
00:16:45: Ja aber das finde ich auch nachvollziehbar.
00:16:48: Also.
00:16:49: Und da ist man dann wahrscheinlich bei so LinkedIn oder so noch viel eher?
00:16:52: Ja!
00:16:52: Ich seh es auch immer mal teilweise erstaunlicher Aussagen, aber das ist ja unter dem Namen häufig die Position des Unternehmens genannt.
00:16:59: Da würde ein Arbeitgeber argumentieren können zu sagen hey also guck dir mal an du postest das und drüber steht direkt unsere Firma.
00:17:06: Ja
00:17:07: genau.
00:17:08: Ich bin mit gemischten Gefühlen unterwegs wenn ich diese Postings immer sehe weil jemand anders wirklich zur Zielscheibe gemacht wird.
00:17:16: Das ist etwas, was ich grundsätzlich schwierig finde.
00:17:20: Allerdings ... wenn man sich dann anschaut, was diese Personen ja auch öffentlich geäußert haben... Also jetzt gehen wir voll vom Thema weg, ne?
00:17:28: Aber da muss ich ganz ehrlich sagen, also niemand zwingt dich so zu äußern.
00:17:33: Es ist wirklich teilweise so das sind Mordankündigungen.
00:17:38: Ja?
00:17:38: Aufrufe KZ wieder einzuführen!
00:17:41: Vergasungen durchzuführen im großen Stil, das äußern die Leute öffentlich.
00:17:46: Und wenn die Leute das öffentlich äußeren und man findet den Arbeitgeber raus also wenn ohne Witz, wenn das jemand von unseren Leuten schreiben würde irgendwo und ich würde das mitbekommen dann würde ich mich doch hier intern auch schwer dafür einsetzen dass wir diese Person entlassen.
00:17:58: Ja klar.
00:18:00: Also deswegen selbst wenn das ja ist halt die Frage Haben wir einen Wertekatalog?
00:18:05: Ich glaube, wir tragen ihn offen nach außen.
00:18:08: Aber wir haben ihn natürlich nicht festgelegt!
00:18:10: Dann sind wir vielleicht bei dem Punkt ... wo es den Arbeitgeber beschädigt.
00:18:14: Also wisst ihr was könnte man schon tun?
00:18:16: Man könnte eine Art von Social-Media-Richtlinie aufstellen im Betrieb und sagen so hey du darfst nicht unsere Firma verwenden, dass man versucht andere Regelverstöße zu konstruieren.
00:18:28: Ja klar ja aber das muss halt immer... Die Freiheit des anderen muss halt immer berücksichtigt werden.
00:18:35: Sich zu äußern, wie man will vom Grundsatz her.
00:18:38: Ja?
00:18:39: Wenn es ein Urteil geben sollte in der Sache, können wir noch mal eine Folge dazu machen und gucken, wie sich das Gericht da positioniert hat.
00:18:47: Mein Tipp wäre, dass Sie sich tatsächlich vergleichen, weil dich davon ausgeht, dass die Kandidatin keinen Urteil riskieren wollen würde.
00:18:56: Wer so meine Vermutung ...
00:18:57: Am Ende ist ja wahrscheinlich auch eine radikal wirtschaftliche Frage.
00:19:00: Darauf will ich jetzt abschließen, so ein bisschen genau... Ja aber nicht für
00:19:03: die Kirche oder?
00:19:04: Doch!
00:19:04: Ich glaube auch weil die haben hier auch einen Interesse an einem gewissen Image wenn man das mal so vermarktungstechnisch sieht und die haben natürlich extrem viel Sympathie damit gewonnen und Respekt quasi radikal durchgreifende maßnahme.
00:19:20: das heißt die können das auch ein stück weit gegenrechnen.
00:19:22: was wird uns jetzt, dass wir arbeitsrechtlich kosten.
00:19:26: wie viele leute drehen will raus?
00:19:28: aber was hilft, das fehlt auf uns.
00:19:30: also ich weiß es aber nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass so wirtschaftlich denkende unternehmen, dass die schon überlegen.
00:19:39: Stell dir vor, es gibt diesen Fall, den du genannt hast.
00:19:41: Das wird jetzt durchgestochen an den Arbeitgeber, der das vorher gar nicht wusste.
00:19:46: Plötzlich steht er quasi in dieser Situation sich zu entscheiden, wie gehe ich damit um?
00:19:51: Der ist ja eigentlich wirtschaftlich kaufmännisch gezwungen, den Preis zu zahlen für die vielleicht nicht berechtigte Kündigung.
00:20:00: Weil der andere Preis auf der anderen Seite unternehmerisch zu hoch ist.
00:20:04: Mhm.
00:20:04: Dass Kunden wegfallen weil sie sagen Alter was seid ihr denn für ein Unternehmen
00:20:08: ... Auf Unternehmensseite.
00:20:11: Das
00:20:11: sind die in der misslichen Situation, aber dann stehen zwei Kosten-Positionen ganz böse zugespitzt auf der Seite und sagt man sich bevor wir den Image schaden und alle Konsequenzen, das fehlt uns ein Partner kündigt oder so, das können wir nicht riskieren, dann gehen wir auf jeden Fall ihr arbeitsrechtlich...
00:20:29: Ja, es kann sein dass sie auch denken, es gibt ja verschiedene Arbeitgeber, die sagen ich möchte jetzt loswerden, ich will das hier beenden.
00:20:38: Es gibt aber auch welche, die sagen jetzt schmeiß ich noch Geld hinterher.
00:20:41: Das geht ja gar nicht so.
00:20:44: Kommt drauf an, wer da der Entscheidung
00:20:47: ist?
00:20:47: Vielleicht dann diese Sonderüberlegung sind, die du da anstellst ... Also nach dieser persönlichen Frage Verhältnis zum eigentlichen Arbeitnehmer zu einer Arbeitnehmerin, dass das vielleicht in den Fällen nicht so entscheidend ist.
00:21:01: Sondern dass es wirklich ums Außen geht!
00:21:03: Wie ist die Außenwirkung und die Außendarstellung?
00:21:05: Ja,
00:21:05: genau.
00:21:06: Und da hab ich auch überlegt für die Mitarbeiterin würde es eigentlich Sinn machen das entscheiden zu lassen weil sie ja auch kandidiert.
00:21:17: also wenn Sie verlieren sollte dann spült das ja Wasser auf die Mühle der AfD zu sagen ja guckt mal soweit es ist schon gekommen.
00:21:26: mein Freiheit ist eingeschränkt.
00:21:28: Wenn sie gewinnt hat sie alles auf ihrer Seite.
00:21:33: Kann man eigentlich nur gewinnen.
00:21:35: Ja, hast du recht?
00:21:35: Auf den
00:21:35: normalen Schnellen
00:21:36: sehr.
00:21:38: Stimmt für Sie ist es
00:21:39: oder so gut.
00:21:40: Niedersachsen ist das, ne?
00:21:41: Ich weiß nicht,
00:21:41: ich dachte, es wär im Osten gewesen ... Aber das kann sein als ...
00:21:45: Ewa in Jewa?
00:21:47: Das ist Nieder-Saxon und spricht sich auch je fair aus.
00:21:50: Entschuldigung, Karin.
00:21:51: Du kennst dich da besser
00:21:51: aus!
00:21:52: Habt
00:21:53: ihr mal gewohnt, du.
00:21:54: Hat nichts mit dem Bier zu tun.
00:21:56: Doch, doch.
00:21:58: Das ist die Brauerei.
00:22:00: aber marketingtechnisch wird daraus je wahr ... Es gibt verschiedene Erklärungen dazu, aber das ist vielleicht ...
00:22:04: Das sprengt diese Folge.
00:22:05: Nicht heute
00:22:06: und das
00:22:06: möchte ich gerne hinter erklären!
00:22:08: Weil ich weiß zum Beispiel gar nicht aus dem Kopf wie da der Landesverband ist.
00:22:13: Ja?
00:22:13: Das macht ja auch im Zweifel noch einen Unterschied.
00:22:16: Wenn wir in Thüringen oder an Sachsen-Anhalt wären, wo wir eine Einstufung haben... Ich kann es für Nia Sachsen gar nicht sagen.
00:22:22: Keine Ahnung.
00:22:24: Und bundesweit haben wir's ja noch nicht.
00:22:27: Also ich glaub die Mitarbeiterin muss das durchentscheiden.
00:22:29: Sie ist vielleicht ein finanziellen Nüten ein paar Tausend Euro Abfindung oder wie viel das doch
00:22:34: ist.
00:22:34: Kannst du auch wieder was Marketing-Kländisch draus bauen, ne?
00:22:36: Nein, ich bin noch nicht bescheuert.
00:22:38: Ich nehme die Kohle mit, also ich hätte ja gewonnen, ist klar aber... Ja
00:22:41: genau!
00:22:42: Offensichtlich war er
00:22:45: etwas dran, sonst hätten sie mir keine Anzahl bezahlt.
00:22:47: Also ich glaube tatsächlich, die können an der Stelle wahrscheinlich ... Aber beide können wahrscheinlich nur
00:22:52: gewinnen
00:22:53: dadurch.
00:22:55: Spannend!
00:22:55: Wir werden es weiter verfolgen.
00:22:57: Danke euch!
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